Betriebs-Gebetskreis

- Ein Leitfaden für Betriebs-Gebetskreise

Warum?

Als Berufstätige verbringen wir den überwiegenden Teil unserer verfügbaren Zeit am Arbeitsplatz und sind dort in eine langfristige Zusammenarbeit mit anderen Menschen hineingestellt. Wir haben einen dreifachen Auftrag:

Wo gearbeitet wird, darf man auch beten

  • unsere berufliche Tätigkeit nach bestem Wissen und Gewissen auszuüben,
  • unseren Kollegen die gute Nachricht von Jesus Christus mitzuteilen,
  • andere Christen zu suchen und mit ihnen Gemeinschaft zu haben.

Ob fachliche, zwischenmenschliche Schwierigkeiten auftreten oder Fragen in Zusammenhang mit christlicher Ethik auftreten, wir sollten die Situation am Arbeitsplatz nicht sich selbst überlassen, sondern das richtige Know-How anwenden. In diesem Zusammenhang bedeutet das zunächst, dass wir gemeinsam für unsere Vorgesetzten, Mitarbeiter und Kollegen beten und Gott die ganze Situation, die fachliche Arbeit und die Zukunft anvertrauen.

Natürlich kann jeder für sich zu Hause beten. Aber auf dem gemeinsamen Gebet liegt das besondere Versprechen, das Jesus gegeben hat: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen“ (Matthäus 18,20). Im Zusammenhang mit dem Berufsalltag erscheint es sinnvoll, dass sich Kollegen derselben Firma treffen, denn sie sitzen in demselben Boot.

Aus Erfahrung zu empfehlen

Im folgenden werden einige Möglichkeiten für die Gestaltung eines Firmengebetskreis aufgezeigt. Natürlich erheben wir nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und es ist erwünscht, dass uns aus dem Leserkreis weitere Anregungen und Erfahrungen mitgeteilt werden.

Sorgt nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden. Philipper 4,6

Wer?

  • Beten können alle, unabhängig von Konfession, Denomination, Bildung und Position, sofern die persönliche Zielsetzung lautet, dass das gemeinsames Gebet sich an den Gott der Bibel und den Herrn Jesus Christus richtet.
  • Bei Gebetskreisen, welche sich innerhalb der Firma treffen, sollen ausschließlich Angehörige der Firma teilnehmen.
  • Bei Treffen außerhalb der Firma können auch Außenstehende teilnehmen, sollte aber nicht zum Normalfall werden.
  • Alle Teilnehmer sollten darauf verzichten, das Treffen zur Indoktrination anderer Teilnehmer mit ihrer Speziallehre zu missbrauchen.
  • Betriebsangehörige, die Jesus gehören

Herzliche Einladung!

Mindestens zwei Christen sind erforderlich, um einen offiziellen Gebetskreis zu gründen. Wenn in der Firma bereits ein Gebetskreis besteht, so ist zu empfehlen, sich diesem anzuschließen. Ein zweiter Gebetskreis sollte nur dann gegründet werden, wenn der bereits bestehende zu groß ist oder terminlichen Gründe es erforderlich machen. Die Spaltung eines Kreises würde disqualifizieren. Dagegen haben Bruderliebe und Einheit nach innen und außen eine entscheidende Bedeutung (Johannes 13,34-35; 17,22-23).

Man sollte persönlich zum Gebetskreis einladen. Ein Hinweis im Intranet der Firma, am „Schwarzen Brett“ als Aushang, in einer Firmenpublikation oder unter https://dctb.de/de/groups/bete-und-arbeite kann sehr dazu helfen, den Firmengebetskreis bekannt zu machen.

Grundsätzlich spielt die Teilnehmerzahl keine entscheidende Rolle. Zwar ist es gut, wenn sich möglichst viele Christen zum Gebet treffen, aber der Gebetskreis sollte weder durch Werbung noch durch ein elitäres Auftreten künstlich groß gemacht werden.

Jesus sprach: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. Matthäus 18, 20

Wo?

Fast überall kann gebetet werden. Innerhalb der Firma in einem Konferenzzimmer, in der Kantine oder in einem Büroraum. Es kann auch eine ruhige Ecke in der Werkstatt sein. In der Regel sollte eine offizielle Erlaubnis eingeholt werden. Für Büroräume und Werkstatt ist dafür der Vorgesetzte zuständig. Wenn ihm offensichtlich der Mut fehlt, ein Gebetstreffen in seinem Bereich zu gewähren, so kann man ihm anbieten, selber in der Abteilungsleitung oder Personalstelle nachzufragen. Für die Kantine oder das Konferenzzimmer ist in der Regel die Personalstelle direkt zuständig. Je nach geltenden Bestimmungen ist auch die Zustimmung des Betriebsrates erforderlich.

Außerhalb des Betriebes bietet sich an, in einen nahe gelegenen Versammlungsraum einer Kirche oder christlichen Gemeinschaft, eine Schule oder eine Privatwohnung zu gehen. Räumlichkeiten extremer Denominationen oder Organisationen sind zu meiden, selbst wenn sie günstig gelegen sind.

Ein Teilnehmer sollte namentlich die Verantwortung für den Firmengebetskreis übernehmen. Es ist besonders darauf zu achten, dass der Raum wieder in ordnungsgemäßem Zustand verlassen wird, wobei Stühle und Tische an ihren Platz zu rücken und Fenster zu schließen wären und ähnliches.

Ordnung muß sein!

So will ich nun, dass die Männer beten an allen Orten und aufheben heilige Hände! 1. Timotheus 2, 8

Wann?

regelmäßig rechtzeitig konsequent konzentriert

  • Morgens vor Arbeitsbeginn oder während der Mittagspause nach dem Essen oder abends nach Arbeitsende.
  • Die Dauer sollte etwa 15 bis 60 Minuten sein, je nach Programm und Teilnehmerzahl. Das Treffen sollte niemals künstlich in die Länge gezogen werden.
  • Täglich oder ein bis zweimal pro Woche, jedoch mindestens ein Mal im Monat.
  • Auf jeden Fall außerhalb der bezahlten Arbeitszeit.
  • Pünktlich zur vereinbarten Zeit, auch wenn noch nicht alle da sind.
  • Die festgelegten Termine sollten möglichst selten geändert und die Treffen auch dann abgehalten werden, wenn auch nur ein oder zwei Teilnehmer kommen.

Sehr günstig ist ein Treffen am Montagmorgen vor Arbeitsbeginn. Das Gebet ist eine gute Hilfe, vom Sonntag auf die vor einem liegende Arbeitswoche umzustellen. Es hilft, den Berg von Arbeit in der rechten Weise mit dem HERRN anzugehen.

Seht zu, wachet und betet, denn ihr wisset nicht, wann es Zeit ist. Markus 13, 33

Wie?

  • Zuerst einen kurzen Bibeltext lesen. Entweder den Wochenspruch, die Tageslosung oder einen kleinen Bibelabschnitt.
  • Anschließend die wesentlichen Gebetsanliegen nennen, aber auf moralische Bewertungen und große Erläuterungen verzichten.
  • Und dann die Hauptsache: das freie Gebet der Teilnehmer in beliebiger Reihenfolge. Bei größerem Teilnehmerkreis soll sich der einzelne kurz fassen und deutlich sprechen. Bei kleinerem Kreis kann jeder auch mehrmals beten. In jedem Fall sind „Marathongebete“ zu vermeiden.
  • Am Schluss – oder schon am Anfang - kann ein Liedvers gesungen werden.

Für das gemeinsame Gebet ist es sehr nützlich, eine gewisse Disziplin zu pflegen:

  • Persönliche Treue und Pünktlichkeit
  • Kein „Firmenklatsch“ über Kollegen - auch nicht als Gebetsanliegen deklariert. Im Zweifelsfall keine Namen nennen oder ganz schweigen.
  • Keine vertraulichen Firmeninformationen weitergeben.
  • Keine vertraulichen Informationen aus dem Gebetskreis nach außen weitergeben.
  • Keine gegenseitige Beeinflussung in Lehrfragen. Die Möglichkeit für eine Beeinflussung ist am geringsten, wenn wir uns im Gebetskreis auf das Wesentliche beschränken: Lesen des Bibeltextes ohne jeden persönlichen Kommentar, Beten ohne jede Diskussion.

Von Gottes Wort inspiriert

Wohltuend diszipliniert

Nicht nur die äußere Gestaltung des Gebetstreffens und die persönlichen Äußerungen sind für die Gemeinschaft von Bedeutung. Vielmehr ist die innere Haltung jedes einzelnen entscheidend für das Klima im Gebetskreis. Folgende Bibelworte sind eine hilfreiche Orientierung:

Nehmet einander an, wie auch Christus euch angenommen hat. Römer 15,7

Geistlich tolerant

Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werden. Matthäus 7, 1 Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge? Matthäus 7, 3 In Demut achte einer den anderen höher als sich selbst. Philipper 2, 3 So seid nun mäßig und nüchtern zum Gebet. 1. Petrus 4, 8

Was?

Hier sind grundsätzlich keine Grenzen gesetzt. Die drei Grundelemente sind Lob, Dank und Fürbitte. Als Orientierung seien einige Gebetsanliegen pauschal genannt:

  • Führung im Gebet durch den Geist Gottes
  • Einheit der Teilnehmer in Jesus
  • Meine persönliche Situation im Betrieb, insbesondere mein Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Mitarbeitern und Kollegen
  • Meine fachlichen Aufgaben und Probleme
  • Persönliche und fachliche Probleme von anderen Firmenangehörigen unter Berücksichtigung der Vertraulichkeit
  • Die allgemeine Situation des Betriebes
  • Das Weitergeben des Evangeliums an andere Firmenangehörige
  • Kraft und Bewahrung der Christen in der Anfechtung

Gebetsanliegen nennen

Es ist zweckmäßig, die Anliegen im Gebet möglichst konkret zu formulieren. Es gilt auch, sich von Gott bestimmte Gebetsziele zeigen zu lassen, um dann dafür konkret zu beten. „Gießkannengebete“ für „alle Missionare, für alle Kranken“ oder gar „für alle Menschen“ sind wenig überzeugend. Sinnvoller ist es, beispielsweise für Herrn X., für die Entscheidung bei der Konferenz am kommenden Mittwoch oder für das Projekt, welches bis Freitag fertig sein muss, zu beten.

Konkret, diskret, von Gottes Geist geleitet

Jedoch dürfen wir Informationen, welchen seelsorgerliche Bedeutung zukommt, im gemeinsamen Gebet nicht konkret formulieren. Dasselbe gilt, wenn wir dienstlich zum Schweigen verpflichtet sind.

Auch wenn wir die Informationen zufällig und ohne ausdrückliche Schweigeverpflichtung erfahren haben, sollten wir darüber schweigen. Wenn wir im Gebet dafür einstehen wollen, so können wir dies gut in der persönlichen Stille tun. Es besteht auch die Möglichkeit, beim Gebet in der Gemeinschaft eine unverfängliche Formulierung zu wählen, indem wir zum Beispiel um Segen für Herrn Y. und seine Familie bitten oder um Weisheit und Kraft für den Herrn Z. bei seinen Aufgaben.

Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich‘s gebührt, sondern der Geist selbst vertritt uns aufs beste mit unaussprechlichem Seufzen. Römer 8,26

Ein Nein muss nicht für immer sein

Wenn Sie nun keinen Firmengebetskreis beginnen können, weil Ihnen auf dem Firmengelände die Erlaubnis nicht erteilt wird oder weil außerhalb der Firma kein geeigneter Raum zu finden ist, dann sind die dafür Verantwortlichen deshalb nicht besonders „gottlose“ Menschen. Vielmehr dürfen wir auch dies aus Gottes Hand nehmen - Gott macht keine Fehler. Vielleicht ist die Zeit noch nicht reif. Beten Sie für ihr Anliegen, und nehmen Sie zu gegebener Zeit einen zweiten Anlauf. Vielleicht ist es auch ein Wink, dass Sie sich zuerst an einem anderen Ort engagieren sollten, etwa in Ihrer Gemeinde oder im persön lichen Gebet zu Hause.

Grund zum Danken: Beten lohnt sich.

Wenn ein Firmengebetskreis entstehen konnte, dann freuen Sie sich. Danken Sie dafür und beten Sie immer wieder, dass Jesus Christus der Mittelpunkt sein und bleiben möge. Es kann sein, dass manche Christen, die in Ihrer Firma aus bekannten oder nicht bekannten Gründen am Gebetskreis nicht teilnehmen. Sie sollten sich über deren Motive nicht zuviele Gedanken machen und niemals geringschätzig achten. Beten Sie auch für diese Geschwister im Herrn ohne jeden Vorbehalt. Im übrigen werden Sie erleben, daß Ihnen die Teilnahme an einem Firmengebetkreis mit der Zeit immer kostbarer wird, auch wenn der Zeiteinsatz, insbesondere früh morgens, eine gewisse Überwindung kostet. Es lohnt sich.

Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist! Jakobus 5,16

Ich sage aber von der Gerechtigkeit, die aus dem Glauben kommt! Römer 9,30

Zusammenfassung

Im Betriebsgebetskreis oder auch Firmengebet genannt treffen sich vorzugsweise Christen derselben Firma, um die Belange des Betriebes und seiner Menschen gemeinsam vor Gott zur Sprache zu bringen. Sie sitzen alle im selben Boot. Der Artikel "know how - Betriebsgebetskreis" gibt in angenehmer Kürze praktische Antworten auf Fragen wie: "Wer, wann, wie, warum und wo beten?" Dabei wird nicht der Eindruck erweckt, dass man es nur so machen kann. Vielmehr wäre es interessant, welche Erfahrungen andere mit dem Beten in der Firma und für den Betrieb gemacht haben. Lassen Sie sich inspirieren! Melden Sie sich gerne bei uns!
Lesenswert
29.05.2020
Was bedeutet es, dass Christus die Mitte unseres Lebens ist? Eine Frage, die gar nicht so leicht zu beantworten ist...