Das Buch Prediger – Stolpersteine auf dem Weg zur Weisheit

Silke Schloe, Redakteurin, DCTB

Das alttestamentliche Buch „Prediger“ zu lesen, ist herausfordernd! Denn beim genaueren Lesen rollt einem so mancher Stolperstein in die Quere. Dafür gibt es einige Gründe: Zum einen ist es schlicht und ergreifend schwer zu lesen; was etwa bedeutet „Schicke dein Brot über das Wasser…?“ Zum anderen enthält es Abschnitte, die sich sowohl gegenseitig zu widersprechen scheinen als auch der gesamtbiblischen Aussage entgegenstehen (Prediger 6,12; 1. Johannes 4,17).

Der DCTB wird sich im Rahmen der diesjährigen Hauptkonferenz mit dem Predigerbuch beschäftigen und lädt die Mitglieder und Freunde schon jetzt dazu ein, sich auf dieses Buch einzulassen.

Warum den Prediger lesen – heute noch aktuell?

In unserer modernen postindustriellen Gesellschaft bestimmt in erster Linie der Einzelne seine Lebensweise und seine Stellung in der Gesellschaft. Es entscheiden subjektive Vorlieben darüber, welches Freizeit-, Konsum- oder Medienangebot angenommen wird. Für Religion, Gott oder gar Normen scheint hier kaum noch Platz zu sein. Dennoch suchen Menschen weiterhin nach Antworten auf grundlegende Lebensfragen, nach sinnstiftenden Erfahrungen und nach verlässlichen Wertesystemen. Auch verspüren sie weiterhin das Bedürfnis nach emotionaler Gemeinschaft. Deshalb erfreuen sich sogenannte Ersatzreligionen wie Sekten und esoterische Schulen großer Beliebtheit; die Angebote reichen von Büchern mit esoterischen Themen über Workshops bis hin zur festen Mitgliedschaft in bestimmten Vereinigungen. Auf der anderen Seite werden in einigen Kirchengemeinden wieder mehr Kircheneintritte als -austritte gemeldet.

Die radikalen Fragen des Predigers treffen hier genau den Nerv vieler Zeitgenossen. Er treibt die Suche nach dem Sinn des Lebens auf die Spitze, eine religiöse Gleichgültigkeit kennt er nicht. Er ist einer, der zum scharfen Nachdenken einlädt, beispielsweise mit der Frage: „Was für einen Nutzen hat der Mensch von seinen Mühen?“ Dabei lässt er seine Leser nicht im Regen stehen, wenn er dazu ermutigt, sich einem unverfügbaren Gott anzuvertrauen, und zu einer ethisch verantwortlichen Grundhaltung ruft.

Stolpersteine beim Lesen: Wer ist überhaupt der „Prediger“?

Das Buch „Prediger“ ist seit Martin Luther die gängige deutsche Übersetzung für das hebräische Wort „Kohelet“. Es meint die Tätigkeit, dass jemand eine öffentliche Versammlung leitet. Im Zusammenhang mit Weisheitslehre geht es nicht so sehr ums Predigen im Sinne einer Verkündigung, sondern um einen Lehrer, der zur Weisheit einlädt. Traditionell wird die Verfasserschaft König Salomo zugeschrieben, dem „Vater aller Weisen“.

Gibt es in diesem Buch so etwas wie eine Gliederung?

Beim gründlichen Lesen vermisst man immer wieder einen fortlaufenden Zusammenhang, hinzu kommen scheinbare Widersprüche. Oder kann es sein, dass wir hier eben die Auseinandersetzung des Predigers mit den Widersprüchlichkeiten des Lebens vorfinden? Vielleicht benötigen wir auch als westliche Leser Einblicke in die hebräische Denkweise? Wir bewegen uns gerne in geschlossenen Lehrsystemen. Das semitische Denken hingegen nimmt einen Kerngedanken heraus und wiederholt diesen refrainartig unter verschiedenen Gesichtspunkten. Wichtig scheint auch zu sein, dass der Prediger in seinem Buch eine Art Vermächtnis seiner gesamten Lehrtätigkeit weitergibt.

Ist der Prediger ein Pessimist?

Nach den Erfahrungen des Predigers ist alles, was der Mensch anpackt, um seinem Leben einen Nutzen abzugewinnen, ein Nichts. Die letzte Station des Menschen ist dabei der unentrinnbare Tod. Dieses radikale Urteil lässt den Leser stirnrunzelnd mit Fragen zurück. Ist der Prediger doch ein Nihilist? Bleibt er stehen bei bedrückenden Fragen? Ist er so diesseitsorientiert, dass er uns Lesern, die mit der Gewissheit über die Auferstehung leben, eigentlich wenig bis nichts zu sagen hat?

Was hat es mit dem Wort „Eitelkeit“ auf sich?

Immer wieder taucht das Wort „hebel“ (Lutherübersetzung: „Eitelkeit“, Elberfelder Übersetzung: „Nichtigkeit“) auf. Es scheint sehr wichtig zu sein, schließlich wird es 37 Mal im Prediger verwendet. Wörtlich übersetzt bedeutet es „Hauch“ oder „leiser Wind“. Aber welche Bedeutung hat es für den Weisheitslehrer? Bezeichnet er damit die flüchtige und vergängliche Natur aller Dinge? Möchte er die Nutzlosigkeit aller Dinge ausdrücken? Oder schwingen vielleicht beide Bedeutungen mit? Ist das Leben so „hebel“, weil mit dem Tod alles aus ist? Bei den Hauptkonferenz-Vorträgen von Walter Hilbrands wird das Thema der Nichtigkeit eine wichtige Rolle spielen. Verschiedene Lebensbereiche werden dabei näher unter die Lupe genommen werden.

Weise werden – wie geht das?

Weisheit im Lichte des Alten Testaments hat den Menschen und sein Verhalten im Blick. Es geht ganz praktisch darum, Entscheidungen zu treffen nach dem Willen Gottes. Und ob man lernt, Gottes Wahrheit auf eigene Erfahrungen anzuwenden. In Jakobus 1,5 steht, dass Gott denen Weisheit gibt, die ihn darum bitten. Das ist eine weise Bitte. Das Buch Prediger ist eine „harte Nuss“ und nicht so leicht zu knacken. Es fordert uns heraus! Dennoch dürfen wir gespannt sein auf den weisen Beitrag des Buches Prediger.

Wer hilfreiche Sekundärliteratur zum Predigerbuch sucht, folgende Titel sind empfehlenswert:

  • Egelkraut, Helmuth u. a., Das Alte Testament. Entstehung – Geschichte – Botschaft, 6. Aufl. Gießen; Brunnen, 2017
  • Fee, Gordon / Douglas Stuart, Effektives Bibelstudium. Die Bibel verstehen und auslegen, 7. Aufl. Gießen: Brunnen, 2015
  • Stoll, Claus-Dieter, Der Prediger, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal: R. Brockhaus, 1993

Zusammenfassung

Wir finden hier ein biblisches Buch, das die Suche nach dem Sinn des Lebens provokativ und widersprüchlich auf die Spitze treibt.
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