Merkur-Transit am 9. Mai 2016

Winfried Borlinghaus, DCTB, Korntal

Nach vier Jahren ist es wieder soweit! Am 9. Mai findet ein sogenannter Merkur-Transit statt. Dabei wandert der, von der Erde aus gesehen, innerste Planet im Sonnensystem vor der Sonne vorbei. Solche astronomischen Ereignisse sind selten zu beobachten und nur wenige haben oder nutzen die Gelegenheit dazu. Der letzte theoretisch beobachtbare Planeten-Transit war der noch spektakulärere Venus-Transit vom 6. Juni 2012. In Deutschland war der Himmel an jenem Tag leider stark bewölkt, so dass Beobachtungen kaum möglich waren. 8 Jahre zuvor waren die Bedingungen am 8. Juni 2004 deutlich besser. Heute lebende Augenzeugen dieser Ereignisse werden keinen weiteren Venus-Transit mehr beobachten können. Der nächste wird 2117 sein!

Aufgrund der Bahnverhältnisse von Erde und Merkur zueinander sind Merkur-Transite deutlich häufiger - als Doppelserie treten sie alle 13 Jahre auf. Das ist immer noch selten genug. Den gut vorbereiteten Blick zur Sonne am 9. Mai 2016 zwischen 13.00 Uhr und 21.00 Uhr (MESZ) sollte man sich also nicht entgehen lassen. Entscheidend ist dann, neben der geeigneten Ausrüstung, wieder das Wetter am Beobachtungsort. Die astronomischen Verhältnisse sind so stabil, dass sich die Merkur-Vorübergänge sehr regelmäßig ausschließlich im Mai und November abspielen. Die letzten waren am 7. Mai 2003 und am 8. November 2006. Wegen der in Bezug zur Erdbahn geneigten Bahnebenen der anderen Planeten im Sonnensystem gibt es nur wenige Zeitfenster, wo sich Erde, Planet und Sonne in einer Linie befinden und so die Silhouette des Planeten vor der Sonne zu sehen ist. Von der Erde aus gesehen kommen dafür ohnehin nur die „inneren Planeten“ Merkur und Venus in Frage. Wegen der Nähe unseres inneren Nachbarn Venus von „nur“ ca. 40 Millionen Kilometer und ihrem erdähnlichen Durchmesser von 12.100 Kilometer ist sie bei einem Transit – mit Sonnenfilter beobachtet – ohne Vergrößerung erkennbar. Bei Merkur ist eine Sichtung deutlich schwieriger und der technische Aufwand entsprechend höher. Seine Umlaufbahn befindet sich wesentlich näher an der Sonne und ist stark exzentrisch. So schwankt sein Abstand zu uns während seiner Transite zwischen ca. 78 Millionen Kilometer im Aphel (größter Bahnradius) und ca. 104 Millionen Kilometer im Perihel (kleinster Bahnradius). Am 9. Mai 2016 befindet sich Merkur im Aphel. Auf dem sonnenfernsten Punkt seiner Bahn kommt er uns entsprechend nahe. Trotzdem bleibt sein Abstand zur Erde etwa doppelt so groß wie unser minimaler Abstand zur Venus. Dazu kommt, dass Merkur lediglich 4.880 Kilometer Durchmesser aufweist und damit eher der Größe des Mondes ähnelt. Beide Faktoren ergeben während des Transits einen Durchmesser von nur 11 Bogensekunden. Dieser Wert liegt deutlich unter 30 Bogensekunden, dem Auflösungsvermögen eines guten Auges. Merkur erscheint so winzig, dass zumindest ein mit professionellen Objektiv-Sonnenfiltern bestücktes Fernglas benötigt wird, um ihn überhaupt als schwarzen Punkt vor der Sonne sehen zu können.

Idealerweise verwendet man dazu ein kleines Fernrohr oder gutes Fernglas mit 10 – 50-facher Vergrößerung, welches auf einem stabilen Stativ montiert wird. Die Optik wird mit einem professionellen Objektiv-Sonnenfilter versehen. Absolut ungeeignet sind mit Rettungsfolien oder Schweißgläsern bestückte Self-made-Filter, da sie nicht das gesamte Spektrum gefährlicher Strahlung absorbieren. Genauso ist die Anbringung der Filter auf dem Okular tabu – diese gehören auf’s Objektiv, sonst können sie im Brennpunkt blitzschnell schmelzen oder zerplatzen, was eine Erblindung zur Folge haben kann! Sicher ist auch die sogenannte Projektionsmethode, bei der das optische Gerät mit Objektivschutzkappe auf die Sonne ausgerichtet wird, bis es den kleinstmöglichen Schatten bildet. Erst jetzt nimmt man die Kappe vom Objektiv und projiziert zum Beispiel auf einen weißen Karton in geeignetem Abstand hinter dem Okular. Keinesfalls darf man durchs Okular schauen, um die Sonne „zu finden“. Größte Vorsicht und die richtige Ausrüstung sind in jedem Fall zwingend nötig, um keinen Augenschaden davonzutragen! Ohne Vorkenntnisse sollte man sich deshalb entweder erfahrenen Sonnenbeobachtern anschließen oder professionelle Beratung in Anspruch nehmen und sicheres Filter-Material im Astronomie-Fachhandel besorgen.

Wer den Transit beobachtet, bekommt einen unmittelbaren Eindruck von der gewaltigen Größe unserer Sonne, die nochmals 71 Millionen Kilometer „hinter“ Merkur steht. Ebenfalls lässt sich direkt beobachten, wie schnell sich Merkur auf seiner Bahn bewegt. Am 9. Mai braucht er für die Strecke vor der Sonne 7 Stunden. Das scheint, aus der enormen Ferne betrachtet, sehr langsam zu sein, doch rast er dabei mit gut 140.000 Kilometern/Stunde durchs All! Wegen seiner deutlichen Bahn-Exzentrizität kann Merkur noch deutlich schneller, bis er im Perihel über 172.000 Kilometer/Stunde erreicht. Ein Perihel-Transit ist aus diesem Grund bis zu zwei Stunden kürzer.

Johannes Kepler, genialer Mathematiker und Astronom, der zugleich auch Theologe war, entdeckte die exakte mathematische Beziehung zwischen Bahnradius und Bahngeschwindigkeit, die sich auf einer elliptischen Planetenbahn einstellt und bei der ein Ellipsen-Brennpunkt das Massezentrum des Systems darstellt. Dieses sogenannte 2. Keplersche Gesetz besagt, dass eine von der Sonne zum sich bewegenden Planeten gedachte gerade Verbindungslinie in gleichen Zeitabschnitten gleichgroße Flächen überstreicht. Kepler errechnete damit schon 1629 im Voraus den Merkur-Transit vom 7. November 1631, den Pierre Gassendi als erster Mensch aufgrund dieser Daten und unter Verwendung des von Galilei weiterentwickelten Lipperhey’schen Fernrohrs beobachten konnte. Als gesichert gilt, dass der englische Astronom Edmund Halley am 7. November 1677 erstmals einen Merkur-Transit während des gesamten Verlaufs verfolgte und dokumentierte. Wer am 9. Mai 2016 zuschaut, kann sich also in die Zeit großer historischer Entdeckungen der Mathematik und der Astronomie zurückversetzen. Die Beobachtung Merkurs lässt die unfassbar geniale Ordnung und Größe des Universums erahnen. Bis heute hat es nichts an Illustrationskraft eingebüßt. Das Weltall führt uns bis heute die Genialität seines Urhebers und der darin eingesetzten Naturgesetzmäßigkeiten vor Augen. Mathematisch vorhersagbare Abläufe wie der Merkur-Transit bestätigen zudem die Eignung der Himmelskörper als verlässliche Zeitmesser, weil sich unser Lebensrhythmus bis heute an astronomischen Gegebenheiten orientiert. So heißt es bereits im Schöpfungsbericht der Bibel: „Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht und geben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre.“ (1. Mose 1,14)

Der Prophet Jesaja weist viele Jahrhunderte später ebenfalls auf die unvergleichliche Größe dieses Schöpfers hin. Ein Text, der dem Volkslied „Weißt du, wieviel Sternlein stehen …“ zugrunde liegt: „Mit wem wollt ihr mich also vergleichen, dem ich gleich sei? spricht der Heilige. Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt“ (Jesaja 40, 25 - 26). Schließlich hat auch Johannes Kepler ganz selbstverständlich seine naturwissenschaftlichen Entdeckungen mit dem Lob des Schöpfers verbunden. Ein Auszug aus dem Schlusshymnus seines Werkes Mysterium cosmographicum von 1596 lautet: „Gott, du Schöpfer der Welt, unser aller ewiger Herrscher! Laut erschallt dein Lob ringsum durch die Weite der Welt. Groß fürwahr ist dein Ruhm; er rauschet mit mächtigen Schwingen durch den herrlichen Bau des ausgebreiteten Himmels. (…) Ich aber suche die Spur deines Geistes draußen im Weltall, schaue verzückt die Pracht des mächtigen Himmelsgebäudes, dieses kunstvolle Werk, deiner Allmacht herrliche Wunder. Schaue, wie du nach fünffacher Norm die Bahnen gesetzt hast, mitten darin, um Leben und Licht zu spenden, die Sonne. Schaue, nach welchem Gesetz sie regelt den Umlauf der Sterne, wie der Mond seinen Wechsel vollzieht, welche Arbeit er leistet, wie du Millionen von Sternen ausstreust auf des Himmels Gefilde (…).“ Ist es nicht seltsam, wenn man heute, nach zahllosen weiteren faszinierenden Entdeckungen im Weltall, solche Gedankengänge kategorisch aus den Naturwissenschaften ausschließen möchte?

Extrakt

Bei gutem Wetter und mit angepasster Ausrüstung lässt sich am 9. Mai 2016 ein Merkur-Transit beobachten. Dieses nur alle 13 Jahre vorkommende Ereignis wurde erstmals 1629 von Johannes Kepler vorausberechnet und 1631 von Pierre Gassendi aufgrund dieser Daten beobachtet. Ein kleines Fernrohr mit fachmännisch angebrachtem Objektiv-Sonnenfilter reicht aus, um einen Eindruck von der gewaltigen Größe und genialen Ordnung des Universums zu bekommen. Das Weltall spiegelt die Größe und Genialität seines Schöpfers wider und die Regelmäßigkeit und Berechenbarkeit seiner Abläufe bestätigen die biblische Beschreibung der Sterne als gottgegebene Zeitmesser. Johannes Kepler haben seine Entdeckungen in das Lob Gottes geführt - die heutige Naturwissenschaft will Gott trotz gleichbleibender Faszination und Präzasion astronomischer Ereignisse kategorisch ausschließen.
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